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Felix - keine Angst vor blinden Katzen 

Lange trauerte ich um unser kleines Bärchen und immer wieder kollerten Tränen über die Wangen. Eines Abends beschloss ich in Memoriam  Bärchen einem behinderten Kätzchen einen Lebensplatz zu schenken.

Schnell war übers Internet eine passende Kandidatin gefunden: ein kleines Tigermädchen, das nach einem Verkehrsunfall und einer Hüft OP gehandicapt war. Sie sollte zu 2 Katern und einem Mädel unsere vierte Katze werden. Mit der Pflegestelle wurde ein  Besuchstermin vereinbart und am vereinbarten Tag machte ich mich auf – natürlich  mit Transportbox.

Auf der Pflegestelle dann,  die herbe Enttäuschung: Candy war und blieb unsichtbar. Trotz aller Bemühungen der Pflegemama sie unter dem Bett hervorzulocken, blieb das kleine Tigermädl im hintersten Winkel versteckt. Ich saß und beobachtete die Versuche,  der,  am Boden liegenden,  Pflegemama das Kätzchen mit Leckerlies und Spielzeug aus ihrem Versteck zu locken.

Plötzlich kratzt was an meinem Fuß – ein schwarz weißes, dünnes Etwas. Ich heb´ es hoch und setz es auf meinen Schoss und es beginnt zu schnurren. Es ist ein leises Schnurren, eine flüsternde Bitte, hab mich lieb. Sanft streichle ich das runde Kopferl, das eigentlich für den dünnen Körper viel zu groß ist. 

Die Pflegemama erzählt mir seine Geschichte: Kenny kam mit einem schweren Schädel-Hirntrauma, vermutlich nach einem Autounfall  auf die Pflegestelle. Unvorstellbare Schmerzen, die Glaskörper waren durch die Wucht des Aufpralls verschoben, machten den Kater fast bösartig. Nachdem seine Augen entfernt worden waren und er keine Schmerzen mehr hatte, entwickelte er sich zu einem Schmuser.

Kenny liegt immer noch auf meinem Schoss und schnurrt. Es ist ein leises Schnurren, eine flüsternde Bitte, nimm mich mit. Eigentlich wollte ich doch ein Mädchen und keinen dritten Kater. Kenny stupst mich mit der Nase, schmiegt sein Kopferl in meine Hand; als wolle er sagen,  gib ´deinem Herzen doch einen Ruck.

Und ich  gab meinem Herzen einen Ruck und Kenny fuhr mit nach Hause. Schon auf der Heimfahrt, die der Kater  leise weinend in der Transportbox verbrachte, überlegte ich mir einen neuen Namen. Felix kam mir in den Sinn, weil er der gezeichneten Katze des Katzenfutters so ähnlich sah.

Zuhause angekommen bezog Felix „sein“ Zimmer. Er sollte sich einmal in einem Raum auskennen und wohl fühlen und dann erst das restliche Haus erkunden.  Sein Zimmer inspizierte der junge Kater sofort neugierig: er fand seinen Futterplatz, sein Kisterl, seine Bälle. Er ging im Zimmer hin und her, langsam,  ohne irgendwo anzustoßen, erklomm die Couch und sprang wieder runter. Felix fraß für zwei – die 2.5 kg, die er damals wog, waren auch  zu wenig für so einen großen Kater. 

Langsam wurde es dem verspielten Katerchen in seinem Zimmer zu langweilig und er versuchte immer wieder zu entwischen. Es war der Zeitpunkt für sein nächstes Abenteuer gekommen – sein neues Reich zu erkunden. Tapfer und ohne Anzeichen von Angst tat er das dann auch. Felix zog immer größer werdende Kreise im Haus, entdeckte Kratzbäume und Kuschelkörbchen, den Futterplatz in der Küche, den Katzenbrunnen im Vorraum  und natürlich die Couch im Wohnzimmer.

Ich war schon gespannt, wie Felix auf die anderen Katzen reagieren würde. Elegant und voller Würde ging der binde Kater auf sie zu und machte ihnen in den ersten Sekunden ihrer Begegnung klar „ Ich bin jetzt hier der Chef!“  Jerry versuchte ab und zu gegen das neue Regime zu protestieren, ging dann aber lieber seine Wege, als sich auf einen Streit einzulassen.

Felix entwickelte sich zu einem wahren Prachtkater, und bringt jetzt gegen 7 kg auf die Waage.  Er ist nach wie vor der „Chef“. Kriegen sich mal 2 Katzen in die Wolle,   gibt es ein unfreundliches Fauchen, ist Felix zu Stelle um den Streit zu schlichten. Er erscheint, ruhig und würdevoll, und die Streithanseln beschließen, dass es vielleicht doch besser  sei  sich in verschiedene Richtungen zu trollen.  

Felix hört auf seinen Namen besser als so mancher Hund. Kommt er mal nicht wenn ich ihn rufe, dann hat er mich  gehört, aber beschlossen sein Katzennickerchen fortzusetzen. Schläfrig liegt er dann im Hundebett,  das auch für den stattlichen Kater viel zu groß ist, und träumt davon an einem schönen Sommertag, im hohen Gras herumzustreifen, sich an Mäuse oder Schmetterlinge anzuschleichen.

Zum Thema Hundebett: wenn der „Chef“ dieses für sich in Anspruch nimmt, beschließt Jeanie, unser Schäfermischling, dass sie auch ganz gemütlich am Boden unter dem Tisch schlafen kann. Nie hatte sie  den Versuch unternommen, den Kater aus ihrem Korb zu vertreiben.

Damit  Felix auch Sommer, Sonne und frische Luft genießen konnte, kaufte ich ihm eine Leine und ein Brustgeschirr – in fröhlichem rot, für große Katze. Für gar so große Katzen war es wohl nicht gedacht. Da fehlten doch einige Zentimeter um den Bauch. Beim zweiten Versuch passte das Brustgeschirr dann auf den Kater. Doch der beschloss, dass Brustgeschirr und Leine einer Katze nicht würdig sind und ging nicht einen einzigen Schritt.

Den Garten genießt er jetzt – unter Aufsicht – an schönen Sonnentagen. Felix läuft durch den Garten, schnuppert an Sträuchern, Bäumen und Blumen, versucht die Fichte zu erklimmen und um nach einem Meter zu erkennen, dass Klettern zu anstrengend ist,  legt sich an einer sonnigen Stelle ins Gras, und genießt die Sonne,  die sein dichte Fell wärmt.

„Felix “ und der stramme Kater kommt zurück auf die Terrasse gelaufen. Was ist er doch für ein faszinierendes Wesen!